In der Erzählung „Juniperus“ und der Liedersammlung „Frau Aventiure“ platzierte Scheffel einige Gedichte, die er auf Latein verfasst und selbst ins Deutsche rückübersetzt hatte. Anlässlich seines letzten Geburtstags zu Lebzeiten widmete ihm der Altphilologe Franz Weinkauff (1823–1892) einen lateinischen Festgruß, mit dessen Schlussstrophen die Scheffel-Freunde Bad Säckingen das gleiche Spiel getrieben haben. Der Jubilar und der Autor der lateinischen Verse mögen es uns verzeihen.
Longum est opuscula
cuncta numerare,
Modio scyphis concrepemus
et salutem propinemus:
vive, Victor clare!
Decus Alemanniae,
salve die festo!
lyrae fidicen Germanae
et fidulitatis sanae.
Macte, Victor, esto!
Alle Werke nennen,
langweilt einen doch.
Prosit wünschen wir;
Scheffel, alles Gute dir:
„Leben Sie gefälligst hoch!“
Badner Mann und bieder,
freundschaftlich gegrüßt!
Victor, deine Lieder
zünden immer wieder.
Schau, dass du’s genießt!
„Modio“: lat. modius = Scheffel, Getreidemaß;
hier für den Namen des Dichters verwendet.
Mit der humorvollen Formel „Leben Sie gefälligst hoch!“
schloss Scheffel gerne Briefe an die Familie oder gute Freunde.

Die römische Münze ist der Schutzgöttin der Ernte Annona geweiht.
Der Modius (Scheffel) hat ein Fassungsvermögen von knapp 9 Litern.
