Rebecca Brünnow

The Trumpeter of Säkkingen (1877)

Der „Trumpeter of Säkkingen“ enthält die Angabe: „Translated […] by Mrs. Francis Brünnow“. Sie ist wie folgt zu lesen. Übersetzerin ins Englische war die Ehefrau (Mrs.) von Franz (Francis) Friedrich Ernst Brünnow (1821-1891). Der renommierte Berliner Astronom lebte von 1854 bis 1863 in den USA und leitete die Sternwarte der Universität von Ann Arbor (Michigan). Dort heiratete er 1857 Rebecca Lloyd Tappan, die 21jährige Tochter des damaligen Universitäts-Präsidenten.

Rebecca Brünnow (1836 – 1892), geborene Tappan, begleitete ihren Mann später zurück nach Europa. Brünnow arbeitete neun Jahre am Observatorium in Dublin. Als er aus gesundheitlichen Gründen aus dem Berufsleben ausschied, zog das Ehepaar in die Schweiz (Basel, später Vevey). Auch Rebeccas Eltern waren nach Dublin und von dort in die Schweiz übergesiedelt, nachdem das „German model of education“, das der Vater vertrat, an der Universität von Ann Arbor auf Widerstand gestoßen war.

Vermutlich unter dem Eindruck der Feierlichkeiten zu Scheffels 50. Geburtstag kam Rebecca Brünnow der Gedanke, den „Trompeter“ ins Englische zu übersetzen. Die Übersetzerin aus akademischem Hause erhielt Scheffels Einverständnis und weihte ihr Werk der irischen Heimat St. Fridolins:

Go forth in thy first foreign dress.
Go forth to Albion’s noble land!

Der „Trompeter“, der unter den deutschen Einwanderern in den Vereinigten Staaten Kultstatus hatte, wurde nun auch ihren Landsleuten anderer Herkunft zugänglich, sofern sie der gewählten Ausdrucksweise Rebecca Brünnows gewachsen waren. Denn eine leichte Lektüre ist ihre Übersetzung nicht.